Geschichte

Würselener Karneval im Jahre 1756

Aus einem Artikel des „Aachener Volksfreund“ vom 4. März 1934 wissen wir, dass im Aachener Land die Fastnacht, die Narrenzeit seit alters her gefeiert wurde.

1756 war dem tollen Treiben um die Fastnacht kaum Einhalt zu gebieten. In Morsbach, wo brave Bergleute dem Gebirge tief unten im Schacht die schwarzen Diamanten abjagten, war man ganz besonders wohlgemut. Die „goden Pursche“ wie man die Bergleute nannte, wussten sich nach des Tages schwerer Arbeit ein gemütliches Stündchen zu nehmen. So zogen sie von Morsbach hinunter nach Würselen, wo sich auch Weidens und Bardenbergs Jungburschen und Mägdelein trafen. Im Kreck’schen Saal war Stelldichein, wo der für die Bergleute maßgebende Prinz Karneval erkoren und bestimmt wurde.

Wenn der „Ovvergeck“ offiziell gewählt war, zerstreuten sich die lustigen Scharen in die Wirtschafen und Schenken Würselens. Nur Prinz Karneval blieb mit seinem Hofstaat im Saal. Der „Ovvergeck“ schwang drei Wochen lang das Zepter. Weiter ist dort zu lesen, dass für die damaligen Verhältnisse großartige Fastnachtszüge in Würselen veranstaltet wurden. 1782 zählte man über 4000 Teilnehmer, die aus den verschiedensten Ortschaften der Umgebung nach Würselen gekommen waren.

Man kann sich denken, dass es ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes wurde, so dass die „Freie Stadt Aachen“ Militär zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung entsandte. In einem Bericht eines Leutnants heißt es: ….

 

„burgers und freuleuth gingen im Zug mit.

                        Den mannen hätten ennen mönchsrock anhat

                        und trug kerzen, was ich also solchermaßen beanstandt

                        hab. Desfals waren auch solcher frauleuth – 8 Stuk –

                        so sich mit offen brüsten zeigeten. Ebend

                        beanstandt. Gesamt gefasst 28 mann und 16 frauleuth“.

Eine wahrlich aufschlussreiche und schöne Geschichte, die wir heute gerne lesen und schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, die uns aber auch mit Stolz erfüllt, weil doch der Karneval in Würselen damit nachweislich über eine lange Tradition verfügt, und er schon damals wegweisend für die Ortschaften der Umgebung von Würselen war.

Geschichten um den Würselener Karneval

Mit Fastnachtsereignissen, die wir heute gerne lesen und schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, können wir in den letzten 50 Jahren des Würselener Karnevals nicht aufwarten.

Aber hier und da gab es kleine Geschichtchen, die doch erwähnenswert sind. Nehmen wir auch hier als Zeitzeugen unsere Presse.

In den „Aachener Nachrichten“ vom 24. Februar 1976 heißt es: „Hilfe, ein Schwein im Amt…“ rief der Leiter der Pressestelle aus Würselens Stadtverwaltung, Hubert Pütz. Hatte doch tatsächlich einer ein lebendes Ferkel in sein Büro getragen, noch vor Dienstbeginn. Da stand es nun in seinem engen Kasten, während Hubert Pütz zur Dezernenten-Besprechung musste.

Zurückgekehrt, war das Schwein schon längst nicht mehr in seinem Kasten. Nur mit tatkräftiger Unterstützung des Hausmeisters gelang es schließlich, die junge, rosige Dame wieder einzufangen, nachdem sie mehrere Blumentöpfe umgerissen und an verschiedenen Stellen auf den Teppich gepinkelt hatte. Und jetzt lautet die Frage: „Wer hat das Schwein ins Amt gebracht?“ Es wird gemunkelt, es sei einer von den „au üllen'“ gewesen, der sich dafür rächen wollte, dass wenige Tage zuvor ein lebendes Kamel vor seiner Haustüre an einer Laterne angebunden stand. Der Chronist dieser Zeilen bestätigt, dass von Hubert Pütz inszeniert, ein Kamel an der Laterne angebunden vor seiner Haustüre stand. Damals überwinterte ein kleiner Zirkus in Würselen und wollte mit dem Kamel im Würselener Karnevalszug mitgehen. Aber mit dem „Schwein im Amt“ belassen wir es bei den Vermutungen.

Wir wissen nicht, welche Temperaturen im Jahre 1756 herrschten! In den letzten 50 Jahren jedenfalls war es oft kalt und regnerisch. Insbesondere denke ich dabei an die Tulpensonntagszüge der Jahre 1969 und 1977.

Im Jahre 1969 waren die Straßen Würselens derart mit Schnee bedeckt dass sich der Karnevalszug Straße für Straße erobern musste. Die Zugverantwortlichen hatten viel Mühe, den Zug auf schwerem „Geläuf“ zusammenzustellen. So sah man diesmal weniger Fußgruppen, Die Schaulustigen am Straßenrand fanden sich nur zögernd ein und waren hauptsächlich an der Kaiserstraße anzutreffen.

Nichts desto weniger sah sich Prinz Horst I. (Setterich), der als Schneeprinz in die Geschichte des Würselener Karnevals eingegangen ist, im Geleit zahlreicher Wagen und eines stattlichen Fußvolkes. Man sah viele nette Ideen.

Damals waren die Verantwortlichen des damaligen AWK, heute KWK sehr stolz auf die Zugteilnahme und auf die Würselener, die doch sehr viel Begeisterung und Engagement zeigten.

Ähnlich war es um den Karnevalszug im Jahre 1977 bestellt. Nämlich der Karnevalssonntag war der Tag, an dem der Regen kam. Bereits in den Vormittagsstunden meinte es Petrus gar nicht gut mit den Karnevalisten. Als der Zug sich gegen 14:30 Uhr in Bewegung setzte, kündeten zwei Donnerschläge einen wolkenbruchartigen Regen an. Der Zug löste sich teilweise auf, die Narren flüchteten in die Häuser der Haaler – und Bert-Brecht-Straße. Erst als die dunklen Wolken verzogen waren, ging der Zug weiter und Peter III. (Mommertz) kehrte in seinen Wasserthron zurück und ging in die Geschichte des KWK als Prinz „Regenpeter“ ein.

Vielleicht ist noch eine kleine Geschichte erwähnenswert, die den einen oder anderen zum Schmunzeln veranlassen könnte. Bei der Prinzenproklamation im Jahre 1982 im Jugendheim St. Sebastian suchte den Tanzoffizier des 1. WKV ein kleines Missgeschick heim, als ihm beim Tanz die Uniformhose platzte. Allgemeine Erheiterung wurde im Saal wahrgenommen, aber als er gezwungen war, den Tanz zu beenden, gab es rauschenden Beifall. Das tat gut. Wir Würselener haben nun mal ein kritisches aber faires Publikum.

Auch die nachfolgende Geschichte gab’s wirklich: Am Tage der Proklamation von Prinz Willi IV. (Luther) im Jahre 1985 war kein Prinzenkostüm vorhanden. Was war geschehen? Der Schneidermeister hatte schon rechtzeitig Hand an das neue Kostüm gelegt. Jedoch war ihm das Schicksal bei der Arbeit nicht hold. Vergaß er doch, als er letzte Hand an dem neuen prinzlichen Kleid anlegen wollte, das Bügeleisen auszuschalten. Die Folgen waren fatal. Das neue Prinzenkostüm war so stark versengt, dass der arme Schneider ein ganz neues Kostüm anfertigen musste. Da er keine andere Wahl hatte und die Zeit drängte, machte er sich geschwind an die Arbeit. Das Kostüm wurde zwar noch rechtzeitig fertig, doch der Brokatstoff, aus dem die neue prinzliche Robe gemacht worden war, hatte etwas viel von der Rauchentwicklung mitbekommen. Dem Rauchgeruch wurde schließlich mit einem reinigenden Bad zu Leibe gerückt. Und das noch am Samstagmorgen. Ein gewisser Erfolg stellte sich zwar ein, dennoch mussten zur Inthronisation noch einige Tropfen „Kölnisch Wasser“ mit Parfüm gemischt herhalten.

Doch nicht nur das. Willi IV. musste schon zu Beginn seiner Herrschaft manchen Scherz mit sich machen lassen, da sich in seinem Freundeskreis einige befanden, die immer einen Scherz im Ärmel hatten.

Als „Smog-Prinz“ dürfte er in die närrischen Annalen der „Düvelstadt“ eingegangen sein.

Damit weitere Geschichten folgen können brauche ich Ihre „Verzällscher“!

Text: Renate Worms, Dieter Pütz, Dieter van Horn